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„Seid Menschen.“

Veröffentlicht am: 27.10.2026

Der Margot Friedländer Preis zeichnet Menschen aus, die sich aktiv gegen Antisemitismus, für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit einsetzen.

Die Margot Friedländer Stiftung ehrt außergewöhnliches Engagement in der Gedenkarbeit an die Opfer des Nationalsozialismus und für die Stärkung der Demokratie. Damit setzt sie das Lebenswerk der Stifterin fort.

Margot Friedländer wird 1921 in Berlin geboren. 1943 geht die Tochter jüdischer Eltern in den Untergrund, wird dann jedoch 1944 verhaftet und in das KZ Theresienstadt deportiert. Ihre Eltern und ihr Bruder überleben den Holocaust nicht. 1946 emigriert Margot Friedländer in die USA. 2003 kehrt sie auf Einladung des Berliner Senats für „verfolgte und emigrierte Bürger“ besuchsweise nach Berlin zurück, 2010 lässt sie sich dauerhaft in Berlin nieder.

In zahlreichen Schulen, Gedenkstätten, Medien und im EU-Parlament spricht sie über ihre Erfahrungen, um gegen das Vergessen zu wirken. Sie sagt: „Ich spreche für die, die nicht mehr sprechen können.“ Das ist ihr zentrales Motiv ihres Engagements.

2023 gründet sie die Margot Friedländer Stiftung zur Fortführung der Zeitzeugenarbeit und der Verleihung des Margot Friedländer Preises.

Margot Friedländer stirbt am 9. Mai 2025.

Fotos: Eva Oertwig für die Margot-Friedländer-Stiftung

Margot Friedländer Preis 2026

2026 wird der Preis in Berlin verliehen. Die Jury unter Vorsitz von Elke Büdenbender wählt aus 310 Einreichungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Preisträger in drei Kategorien aus.

Die AG „Kriegsgräber“ erhält den Margot Friedländer Preis in der Kategorie „Schulpreis“, denn die Jugendlichen der Arbeitsgemeinschaft engagieren sich seit fast drei Jahrzehnten für die Erinnerungspflege und den Einsatz gegen das Vergessen. Die Auszeichnung würdigt diesen langjährigen, konsequenten sowie vielfältigen Einsatz und die Verbindung von historischer Aufarbeitung mit aktuellem gesellschaftlichem Handeln.

Die AG „Kriegsgräber“ erhält 5000,00 Euro Preisgeld.

Laudatio von Dr. Nico Raabe

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Schülerinnen und Schüler,

es war Margot Friedländers innigster Wunsch, dass das, was damals geschehen war, nie wieder geschehen dürfe. Daher besuchte sie unermüdlich Schulen, um mit jungen Menschen zu sprechen und ihre Geschichte zu erzählen. Nicht, damit wir in der Vergangenheit verharren, sondern damit wir aus ihr Verantwortung für die Zukunft übernehmen.

Genau deshalb gibt es den Margot Friedländer Schulpreis: Er würdigt das Engagement an Schulen, die Erinnerung nicht als Pflichtfach verstehen, sondern als Auftrag. Schulen, die jungen Menschen Mut machen, sich für eine freiheitliche Gesellschaft einzusetzen.

Eine solche Schule ist die Europaschule Rövershagen. Wie wir im Film gesehen haben, engagiert sich dort seit 1999 die AG Kriegsgräber für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und der kommunistischen Diktatur, für die Erforschung jüdischen Lebens und für eine Gesellschaft, in der Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit keinen Platz haben.

Unter der engagierten Leitung ihrer Geschichtslehrerin Petra Klawitter setzen sich Jahr für Jahr rund 30 Schülerinnen und Schüler mit unserer Geschichte auseinander. Sie recherchieren, führen Zeitzeugengespräche, pflegen Gedenkorte, initiieren Stolpersteinprojekte und entwickeln Ausstellungen, Podcasts, Spiele und Lernmaterialien. Sie holen jüdisches Leben in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Vergessen zurück.
Doch das Entscheidende ist: Sie wollen nicht nur Wissen vermitteln. Sie wollen Menschen erreichen.

Die zahlreichen Auszeichnungen, darunter der Bundespreis „Demokratisch handeln“ und der erste Jugend-Engagementpreis Mecklenburg-Vorpommerns, würdigen dieses außergewöhnliche Engagement.

Heute kommt eine besondere Auszeichnung hinzu: der Margot Friedländer Schulpreis.

Liebe Frau Klawitter, unter Ihrer pädagogischen Leitung und mit unzähligen Stunden persönlichen Engagements außerhalb der Unterrichtszeit haben 27 Generationen von Schülerinnen und Schülern nicht nur kreative Erinnerungsorte und Publikationen geschaffen, sondern auch ein tiefes Verständnis für den Wert einer freiheitlichen Gesellschaft entwickelt. Und Sie haben gemeinsam in Ihrer Region die Herzen der Menschen erreicht.

Liebe Schülerinnen und Schüler,

Ihr zeigt uns, dass Erinnerung keine abgeschlossene Aufgabe früherer Generationen ist. Sie gehört Euch. Ihr seid Vorbilder dafür, wie aus Erinnerung eine Bewegung gegen Antisemitismus und Geschichtsvergessenheit entstehen kann. Ihr übernehmt Verantwortung. Ihr gebt der Geschichte eine Stimme und unserer freiheitlichen Demokratie eine Zukunft.
Dafür gebühren Euch und Ihnen, liebe Frau Klawitter, unser tiefster Respekt und unsere herzliche Anerkennung.

Herzlichen Glückwunsch zum Margot Friedländer Schulpreis!
Vielen Dank.

Autorin

Petra Klawitter

Petra Klawitter ist Lehrerin für Geschichte und Sport. Seit vielen Jahren leitet sie überaus erfolgreich die Projektgruppe "Kriegsgräber" an unserer Schule. Sie erhielt im Jahre 2015 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

p.klawitter@schule-mv.de

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